Hallo, ich bin Matthias Wichert, und ich habe ADHS.

Bildung?

So, damit wäre das Offensichtliche ja erstmal geklärt und ich kann erzählen, warum ich mich dazu entschlossen habe, über mein ADHS im Speziellen und über ADHS im Allgemeinen zu bloggen.

Immer wieder geistern Geschichten über die „erfundene Krankheit ADHS“, die „Pharma-Lüge“ und die „unter Drogen gestellten Kinder“ durch die Medien. Gleichzeitig wird immer wieder von Leuten, die keine Ahnung haben, wie es ist, ADHS zu haben, behauptet, dass sie das ja kennen – sie seien auch „manchmal vergesslich“ oder „können oft auch nicht still sitzen“ oder „haben auch Probleme, sich zu konzentrieren“. Und daran kann man auch schon erkennen, dass die Leute, die da groß das Maul aufreißen, keine Ahnung haben, wie es ist, mit ADHS durch die Welt zu gehen.

© Kunstart.net / PIXELIO

Ich habe meine Diagnose erst vor gut zweieinhalb Jahren bekommen. Mit Ende 29. Und habe damit fast 30 Jahre lang unter einer Störung gelitten, ohne es zu wissen. Man stelle sich mal einen Diabetiker vor, der 30 Jahre lang an Diabetes leidet, ohne es zu wissen, und nur die negativen Folgen davon bemerkt. So ähnlich war’s bei mir, auch wenn der Vergleich zugegeben ein bißchen hinkt. Bei einem Diabetiker wird ein Insulin- oder Zuckerschock schnell lebensbedrohlich – ADHS ist oft für die Umgebung nur störend, das war’s.

Ich denke, das ist der Grund, warum viele die Existenz dieser Störung immer noch anzweifeln. ADHS ist nämlich nicht einfach durch einen Bluttest nachweisbar oder durch medizinische Anamnese klar zu diagnostizieren – es ist mehr ein großer Symptomkomplex, der viele Aspekte des täglichen Lebens beinhaltet, die eben gestört ablaufen. Das ist nur in einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Patienten und seiner Lebensgeschichte herauszustellen. Darauf gehe ich aber ein anderes Mal ein.

Ich habe mir mit diesem Blog jedenfalls das Ziel gesetzt, den Menschen einmal einen Blick in den Kopf eines ADHSlers zu ermöglichen. Und glaubt mir: Das ist ein echtes Chaos hier drin. Ich bin nicht einfach nur manchmal unkonzentriert oder hibbelig, ADHS zieht viel weitere Kreise und wirkt sich in Lebensbereichen aus, die man nicht für möglich halten könnte.

Gleichzeitig möchte ich auch ein bißchen darüber informieren, was ADHS in der Ursache eigentlich bedeutet. Wie die Störung eigentlich zustande kommt. Und warum Stimulanzien wie das „böse Ritalin“ eigentlich helfen. Um eins vorweg zu sagen: Mir gefällt es nicht, ein Aufputschmittel zu schlucken, das unter dem Betäubungsmittelgesetz steht und deshalb nur unter bestimmten Richtlinien verfügbar ist. Solange es aber das einzig wirksame Mittel bei mir ist (und derzeit ist es das), ist es für mich das geringere Übel.

Naja, soviel zum ersten Eindruck zu diesem Blog. Die Optik wird sich in den nächsten Wochen und Monaten vielleicht noch ändern, aber inhaltlich steht die Ausrichtung. Auf jeden Fall freue ich mich über Kommentare und Feedback zu den Artikeln, und vielleicht kann ich so manchem „ADHS-Kritiker“ ja auch die Augen öffnen.

Gleichzeitig wird hier in absehbarer Zukunft auch ein Podcast starten, der sich mit ADHS beschäftigt. Darauf könnt ihr euch also auch freuen 🙂

Alles Gute und bis zum nächsten Mal 🙂

1 Gedanke zu „Hallo, ich bin Matthias Wichert, und ich habe ADHS.“

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